SÜSSE VERSUCHUNG

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Neugierig beisse ich in die grüngoldig gesprenkelte Praline. Im Inneren erwartet mich eine zarte Mischung aus Rahm, Schokolade und einen Schuss „Büschubirlischnaps“. Mit anderen Worten – eine Geschmacksexplosion, die auf der Zunge vergeht. „Das ist eine meiner Spezialitäten“ sagt Chantal stolz. Die Birnen stammen vom eigenen Baum. Mit viel Innovationsgeist und einer grossen Portion Ehrgeiz, stellt Chantal Brönnimann in ihrem Atelier Patisserie der feinsten Art her. Heute darf ich einen Blick hinter die Kulissen werfen und erfahre mehr über ihren grossen Traum.

ALLES AUF EINE KARTE GESETZT

Vor drei Jahren gründetet Chantal ihr Atelier die „Zuckerwerkstatt“ im Zentrum von Schwarzenburg.
Diesen Sommer konnte die gelernte Köchin ihre Teilzeitstelle aufgegeben und hat sich selbstständig gemacht. „Dieser Schritt brauchte enorm viel Mut. „Ich habe all meine Ersparnisse in die Zuckerwerkstatt gesteckt und alles auf eine Karte gesetzt“, erzählt Chantal. Die zufriedene Kundschaft und die vollen Auftragsbücher beweisen, der Mut und die Investitionen haben sich gelohnt. „Ich konnte sogar eine Mitarbeiterin einstellen, welche mich zwischen 40 und 50% unterstützt“.

ZEIT IST GELD? – FEHLANZEIGE!

Chantal hat heute noch viel vor. Die Vorbereitungen des Halloween-Events mit einer Kindergruppe am Abend laufen auf Hochtouren. Nebenbei bereitet sie Pralinen für ein Firmenfest vor und am Nachmittag geht sie für eine Kundenbestellung auf Trüffeljagt mit ihrer 10-jährigen Hündin Lucie. Die Stimmung ist aber keineswegs gestresst. Chantal strahlt eine Ruhe aus und nimmt sich Zeit. Sie offeriert mir Kaffee und süsse Häppchen. Ich merke schnell, für Chantal zählt der Wert „Zeit“ mehr wie „Geld“. Die Menschen stehen für sie im Vordergrund. Jeden Samstagmorgen öffnet Chantal die Türen ihres Ateliers und bietet verschiedenes zum „schnouse“ an. „Ich lasse mir gerne immer wieder mal etwas Neues einfallen. So bleibt es spannend und das kommt bei der Kundschaft gut an. Viele davon besuchen mich sogar jeden Samstag zum Käfele und plöiderle“, freut sich Chantal.

HANDGEMACHTE KREATIONEN

Chantal versteht ihr Handwerk. „Meine Produkte werden alle von Hand gefertigt, ich kaufe nichts ein“. Zudem verwende ich keine Zusatzstoffe und Haltbarkeitsmittel und achte im Rahmen des Möglichen, saisonale und regionale Lebensmittel zu verwenden“, sagt sie überzeugt. Chantal ist einfallsreich und tüftelt in ihrer Werkstatt immer wieder an neuen Kreationen. „Die besten Ideen kommen mir Abend, wenn ich im Bett liege“.

Es scheint, Chantal hat den richtigen Riecher mit ihrer Geschäftsidee und eine Nische in der Region gefunden. Mit viel Geschick und Feingefühl geht sie auf individuelle Kundenwünsche ein und realisiert verschiedenste Projekte. Mittlerweile hat sich ihr Kundenkreis bis in die Westschweiz und bis nach Basel ausgebreitet. Neben der Herstellung der Patisserie führt sie Firmenanlässe, Backkurse und Kindergeburtstage durch und gibt während den Schulferien Kinderkochkurse an Schulen oder in ihrem Atelier.

ERFOLG – AUF DIE RICHTIGEN ZUTATEN KOMMT ES AN!

Was macht die Zuckerwerkstatt so erfolgreich, will ich von Chantal wissen. Sie überlegt nicht lange und antwortet mit direkter Stimme „viel Herzblut und Freude für das, was ich tue“. Zudem bringt Chantal eine gewisse Hartnäckigkeit mit. „Wenn ich mir etwas vorgenommen habe, dann ziehe ich das auch durch“. Mit dabei immer eine Prise Perfektionismus. Sie ergänzt: „Da muss ich manchmal schon etwas aufpassen und meine Ressourcen gut einteilen. Meistens nehme ich mir zu viel vor“.

Grosse Unterstützung bekommt Chantal aus ihrem Umfeld. „Ohne die Hilfe meiner Familie und Freunde, wäre ich nicht da wo ich bin“, sagt Chantal dankbar. Alle helfen mit. Wie etwa ihr 89-jähriges Grosi, die tatkräftig beim Abwasch mithilft. Ihre Mutter, welche ihr mit guten Ideen zur Seite steht oder hilft, Kartonkistchen zu falten. Ihr Vater, der einspringt, wenn handwerkliches Geschick gefordert ist. Auch ihre Freunde stehen immer zur Stelle, wenn es helfende Hände braucht.

DIE RICHTIGE BALANCE
Chantal freut sich jeden Morgen auf ihre Arbeit und liebt die abwechslungsreichen Tage. „Für mich gibt es nichts Schlimmeres als Routine. Am Morgen aufzustehen und zu wissen, was genau ich tun werde, ist für mich ein Gräuel“. Auch wenn Chantal mit vollem Einsatz und Ehrgeiz ihre Firma vorantreibt, achtet sie auf eine ausgeglichene Balance. „Für mich ist die Freizeit gleich wichtig wie die Arbeit“, sagt Chantal. Und so gelingt es ihr, ihre beiden Leidenschaften – die zwischenmenschlichen Beziehungen und das Engagement für ihre Zuckerwerkstatt – zu vereinen.

GROSSE AMBITIONEN

Die 27-jährige hat noch vieles vor. Erst kürzlich hat sie den 1. Platz des HUG Wettbewerbs gewonnen und durfte für zwei Wochen einen Stage in London machen. „Dort habe ich drei Jobangebote erhalten – welche ich alle dankend abgesagt habe“, sagt Chantal selbstsicher. Die Antwort sei ihr erstaunlich leichtgefallen. „Ich bin so stolz auf meine Zuckerwerkstatt und verwurzelt mit meiner Heimat und meinem Umfeld. „Eine Arbeit im Ausland kommt zurzeit für mich nicht in Frage“. Doch Chantal will sich weiterentwickeln. „Mein grösster Traum ist es, bei marmite youngster mitzumachen. Ein repräsentativer Wettbewerb für Jungköche und Köchinnen, Patissieres sowie Servicetalente in der Schweiz.

gigantrischleben: liebe Chantal, merci für den spannenden Einblick in dein Atelier. Ich wünsche dir weiterhin gutes Gelingen und viel Freude mit deiner Zuckerwerkstatt!

Fotos & Interview: Helene Wieland

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