IN DER NATUR ZU HAUSE

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Nach einem kurzen Moment erfolgloser Suche, nehme ich mein Smartphone hervor und wähle die Nummer von Mike. „Ich bin da, aber wo ist denn hier der Eingang?“, frage ich. Mike lacht „warte, ich hole dich ab“. Kurz darauf erscheint sein grinsendes Gesicht inmitten hoher Grasbüschel und Sträucher. Mike führt mich durch den Garten, der uns zu seinem Haus führt.

DER KREISLAUF DER NATUR

Mike Zuber hat sich für ein naturnahes Leben entschieden. Zusammen mit seiner Frau Nadine, ihren beiden Kindern, zwei Hunden und einer Handvoll Hühner, leben sie in der Nähe von Guggisberg. Als wir auf der Terrasse stehen, schweift mein Blick durch die verwunschene Umgebung. Mike bemerkt dies und schmunzelt „Wir haben das Haus vor einigen Jahren gekauft. Ein Vermieter würde diese Wildnis um das Haus wohl nicht dulden“. Er will so wenig wie möglich in die Natur und ihren Kreislauf eingreifen. Ist es doch nötig, tut er dies sehr überlegt und bewusst. „Wenn ich etwas von der Natur nehme, gebe ich ihr auch wieder etwas zurück“, erzählt er und erklärt: „Will ich zum Beispiel mit einem Ast ein Werkzeug herstellen, lege ich dem Baum die Blätter wieder auf die Erde zurück“.

IM EINKLANG MIT DER NATUR

Mit seiner Lebensweise verfolgt Mike die Ideologie der indigenen Naturvölker. Er teilt ihre Weltanschauung und die Grundeinstellung zu ihren Lebenswerten. „Viele fühlen sich von der Natur und den Elementen bedroht und wollen sie ausgrenzen. Für mich ist jedoch alles miteinander verbunden und ich sehe jedes Ereignis in der Natur als Teil vom Ganzen“, sagt Mike überzeugt.

Seine Faszination für das Leben im Einklang mit der Natur begleitet ihn schon seit seiner Kindheit. Die Erdverbundenheit seiner Mutter prägte ihn. Sie beschäftigte sich mit der Heilkräuterkunde und sammelte Wildpflanzen für den Eigengebrauch und den Verkauf auf dem Markt. Sie gab ihm ein enormes Wissen über deren Nutzen weiter. Unzählige Stunden verbrachte er im Wald, spielte, baute Hütten und experimentiere. Mike lacht und sagt, „die meisten Kinder werden dann erwachsen und hören mit dem „wäudele“ auf, ich hingegen habe nie damit aufgehört“.

AUS HOBBY WIRD BERUFUNG

Mike, der ursprünglich gelernter Lebensmitteltechnologe und Koch, hat sich ganz und gar der Wildnis Schule verschrieben. Seit rund 25 Jahren hat er sich Fähigkeiten angeeignet und weiterentwickelt, die für das Leben in der Natur notwendig sind. Mit seinen 37 Jahren blickt er bereits auf einen grossen Erfahrungsschatz. „Das Lernen hört jedoch nie auf und ist ein stetiger Prozess, immer wieder darf ich Neues dazu lernen“ schwärmt Mike.

Während einigen Jahren vermieteten Zubers ein unbenutztes Zimmer für Bed and Breakfast Gäste und verdienten sich so einen kleinen Batzen dazu. Als klar war, dass die beiden im Jahr 2016 das erste Mal Eltern werden, wurde das Gästezimmer zum Kinderzimmer umfunktioniert und Mike war auf der Suche nach einer neuen Idee. „Spontan und mehr aus dem Spass heraus, schlug ich Nadine vor Wildnis Kurse anzubieten“, erinnert sich Mike. Nadine fand die Idee super und so kam der Stein ins Rollen.

ZURÜCK ZU DEN WURZELN

Mike gründete die „OASE-Survival“, eine Wildnis- und Naturschule mit der Vision allen interessierten Menschen den Weg zu ihren Wurzeln zu zeigen und sie dorthin zu begleiten. Ihm geht es nicht um den Überlebenskampf, sondern um das ruhige und friedliche Miteinander. „In meinen Kursen wird nicht wie wild mit Messern herumgerannt“, lacht Mike. In meinen Survival Trainings im Hollerwald in Schwarzenburg vermittle ich Techniken, wie wir in der Natur unsere Grundbedürfnisse decken wie Essen, Trinken, Schlafen und Wärme produzieren. Das Ganze im Einklang mit der Natur und mit nur wenig oder gar keinem mitgebrachtem Material.

Das Feuerbohren ist eine Methode, um Feuer zu entfachen.

Dabei bohrt sich ein hölzerner Stab in ein flaches Holzstück, um durch Reibungshitze glühenden Holzstaub zu erzeugen. Mit diesem ist es dann möglich, ein Zundernest zum Brennen zu bringen. 

EIN NEUER TREND SETZT SICH LANGSAM DURCH

Was früher in der Gesellschaft oft noch als „gschpässig“ abgestempelt wurde, ist heute zeitgemäss. Auch Firmen satteln um und investieren in die Weiterentwicklung ihrer Mitarbeitenden, indem sie sie in die Wildnis schicken. Die Menschen wollen aus dem Alltag ausbrechen und sich mit ganz banalen Dingen beschäftigen.

Was anfänglich mit einem kleinen Nebenerwerb am Wochenende startete, entwickelte sich stetig weiter. Mike verspürte den Wunsch, seinen Job als Lebensmitteltechnologe aufzugeben und sich mit vollem Engagement auf die Oase-Survival zu konzentrieren. Nach einigen Gesprächen und Überlegungen wurde es dann letzten Herbst konkret. Er kündigte seinen Job. Seine Frau Nadine bestärkte ihn in diesem Entscheid. „Ich bemerkte einfach, dass er unglücklich war“ erzählt sie.

„Braucht es nicht unglaublich viel Mut, den sicheren Job zu kündigen und alles auf eine Karte zu setzten?“ frage ich Mike. Er überlegt nicht lange und antwortet „Es war ein Prozess und nicht ein einfacher Schritt. Aber schlussendlich zählt für mich eins; Sicherheit alleine macht mich nicht glücklich. Ich habe mir überlegt, was will ich mal meinen Enkeln erzählen, wenn ich auf mein Leben zurückblicke? Will ich ihnen sagen, ich hatte ein sicheres und ruhiges Leben oder ich habe mein Leben gelebt und das gemacht was mir Freude bereitet?“.

DER WEG IST DAS ZIEL

Nadine und Mike sind ein gutes Team. Sie beide verbindet ein grosses Vertrauen in das Leben und den Wunsch nach einer freien Lebensweise. Negatives Denken sind ihnen fremd. „Ich bin überzeugt, dass alles gut kommt“, sagt Nadine optimistisch und Mike ergänzt „und wenn wir sehen, dass das Ziel nicht mehr passt, ändern wir eben die Richtung. Wir sind nicht festgefahren in unseren Plänen. Wenn mich die Natur etwas gelehrt hat, dann ist es die Erkenntnis, dass jedes Ereignis im Leben immer eine neue Chance bietet“.

Mehr Infos über die Oase-Survival und ihr Kursangebot findest du auf www.oase-survial.ch

Text und Bilder: Helene Wieland, gigantrischleben

 

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