HERZENS-ANGELEGENHEITEN

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„Kochen & Menschen sind meine Leidenschaft“, sagt Sandra. Wir befinden uns in der Küche – im „Herzstück“ der Familie Ledermann in Elisried. Hier spielt sich ihr Familienleben ab. Es wird zusammen gekocht, gegessen, geredet, geweint und gelacht. „An meinem Tisch sind alle willkommen, meint Sandra und lacht fröhlich „oft geht es hier ganz schön kunterbunt zu. Ich mag Menschen, egal welche Herkunft oder Geschichte sie haben“. So kommt es, dass hier die unterschiedlichsten Menschen zusammentreffen und von Sandra bekocht und verwöhnt werden.

VON 100 AUF 0

Sandra ist eine Macherin und gewohnt Vollgas zu geben. Sie sucht die Herausforderung. Alles, was sie anpackt, tut sie mit grossem Engagement und viel Herzblut. Doch ausgerechnet ihr Herz war es, dass ihr vor 4 Jahren einen Strich durch die Rechnung gemacht hat und sie zwang, gleich mehrere Gänge runter zu schalten.

MITTEN INS HERZ

Die Krankheitsgeschichte von Sandra beginnt 2015 mit Herzflimmern und Ohnmachtsanfällen. Nach einer falschen Diagnose im Spital, geht Sandra wieder nach Hause. Wochen vergehen und ihr Zustand verschlechtert sich weiter, bis ihr Hausarzt der Ernst der Lage erkennt und sie per Notfall ins Inselspital einweist. Dort muss sie eine schwierige Herzoperation über sich ergehen lassen. Der Arzt ist ehrlich zu Sandra und sagt ihr, dass ihre Überlebenschancen 50 zu 50 stehen. „Der schlimmste Moment für mich war, mich vor der Operation von meiner Familie zu verabschieden“, erinnert sich Sandra nachdenklich. Doch ihr Wille ist stark und das Leben ist ihr positiv gesinnt.

gemütlich zusammen „käfele“ und lachen – trotz belastender Situation hat Sandra ihren Humor nicht verloren

DIE FREUDE DIE WIR SCHENKEN, KEHRT INS EIGENE HERZ ZURÜCK

„Die Anteilnahme und Unterstützung aus unserem Umfeld war riesig. Ich war überwältigt von dieser Solidarität“ staunt Sandra heute noch. Für einmal ist es nicht Sandra, die Haushalt, Familie und den Job managet, sondern es sind ihre Familie, Freunde und Nachbarn, die sich die Arbeiten untereinander aufteilen um Sandra zu entlasten und ihr seelischen Beistand zu leisten.

ANNEHMEN, WAS WIR NICHT ÄNDERN KÖNNEN

Ein Jahr nach der Operation braucht Sandra wieder eine neue Aufgabe und sie beginnt mit einem Teilzeitpensum als Küchen Sous-Chefin in einem Betrieb in Schönbühl zu arbeiten. Doch der Druck ist zu gross und ihr Herz setzt ihr erneut Grenzen. „Für mich war das eine grosse Entäuschung und ich fühlte mich als Versagerin. Es war ein schwieriger Prozess zu akzeptieren, dass ich nicht so weitermachen kann wie bis anhin“. Ich musste mein altes Leben loslassen, erzählt Sandra.


NEUE PERSPEKTIVE

Sandra ist und bleibt eine leidenschaftliche Köchin und geniesst den Kontakt mit Menschen. So entsteht in ihrem Kopf die Idee, Kochkurse in ihrer eigenen Küche anzubieten. Inspiriert und motiviert durch den Austausch mit ihrer Familie und ihrem Freundeskreis, entwickelt sie ein Businesskonzept.

Das Kursprogramm macht „gluschtig“

Es braucht Zeit, um ihre Idee in die Wirklichkeit umzusetzen. Zudem müssen viele Gesetzesvorgaben von der Gemeinde und Lebensmittel-Richtlinien beachtet werden. Doch als alles geklärt und aufgegleist ist, kommt der Stein im Sommer 2017 ins Rollen. Mit der neuen Perspektive, kommt der Antrieb und Sandra fasst neuen Lebensmut.

DAS ERFOLGSREZEPT

Der Spass am Kochen ist Sandra wichtig und in ihren Kursen will sie den Menschen die Freude an einer einfachen aber kreativen Küche vermitteln. Das Ambiente in der „Härzchuchi“ ist familiär und mit Sandras humorvollen und authentischen Art fühlen sich ihre Gäste wohl.

Hinter den Kulissen – an Sandras Tisch sind schon viele einfallsreiche Rezepte entstanden
Zeit für Pausen – Sandra kann sich ihre Arbeitszeit selber einteilen und plant genug Ruhephasen ein

„Kochen ist für mich eine Herzensangelegenheit“. Wenn Sandra von ihrer „Härzchuchi“ erzählt, leuchten ihre Augen. „Doch das Wichtigste, ist die Gesundheit und meine Familie. Durch mein Herz habe ich gelernt die Dinge gelassener zu nehmen und das Zusammensein mit meinen Liebsten bewusst zu geniessen“ und sie ergänzt „Die Momente wo du zusammen lachst und weinst bleiben, der Rest ist unwichtig“.

gigantrischleben: „Danke Sandra, teilst du mit uns deine Geschichte. Viel Erfolg & Freude mit deiner Härzchuchi“

PERSÖNLICH

Sandra ist im Rüschegg in einem kleinen Bauernbetrieb aufgewachsen. Im Berner Oberland hat sie Köchin und Servicefachfrau gelernt. Mit 22 Jahren zog sie zu ihrem zukünfrigen Mann Peter nach Elisried in Mamishaus wo sie seit 23 Jahren zusammen einen grossen Bauernbetrieb führen. Die beiden haben zusammen eine Tochter (20) und einen Sohn (18). Nebst ihrem Engagement als Familienmanagerin, hat sie in den letzten Jahren in diversen Betrieben wie etwa im  Altersheim an der Sunnsyte oder der Kindertagesstätte „Calma“ in Schwarzenburg gearbeitet.

ÜBER D’HÄRZCHUCHI

Im Sommer 2017 hat Sandra die „Härzchuchi“ gegründet und seitdem rund 60 Kurse durchgeführt. Für einen Kurs braucht es mindestens 5 Teilnehmende. Sandra kocht saisonal und verwendet Produkte aus der Region.

Info & Angebot auf www.härzchuchi.ch

Interview & Fotos von Helene Wieland

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